Neumond

Stockdunkle Finsternis, der Himmel voller Sterne, das weite Meer liegt unbewegt da, schwarz wie die Nacht.

Drei Frauen gehen am Strand. Ihre Füsse tänzeln über die Kiesel zur vertrauten Stelle, wo der Einstieg ins Wasser leicht ist. Sie streifen ihre Kleider ab, tauchen ein. Das Meer umhüllt ihre Körper wie Seide so zart. Das Salz vom Tag ist geschmolzen für ihr Bad in der Nacht.

Verzückt wiegen sie sich in den Wellen. Sie bewegen sich kaum. Nur ihre Hände wirbeln kleine Wirbel auf, die sogleich zu leuchten beginnen. Goldenes Plankton in der Neumondnacht. Winzige Sternchen in der dunklen See.

Lautlos schwimmen die Frauen im verzauberten Wasser. Der Himmel blinkt, unter ihnen tanzen die goldenen Bläschen und liebkosen ihre nackte Haut beim Bad inmitten der Sterne.

Entrückt lassen sie sich treiben. Sie spüren nicht, wie die Strömung sie vom Ufer weg treibt, hinaus ins weite Meer. Sie kennen keine Gefahr. Bis vom Strand her Rufe ertönen und grelle Lampen über die Wasserfläche blitzen. Ihre besorgten Männer befehlen sie zurück. Rasch schwimmen die drei Frauen ans Ufer bevor es zu spät ist.

In weisse Tücher gewickelt, noch immer im Bann des Meeres, gehen sie schweigend durch den Sand, während der nächtliche Zauber verglimmt.

© Lotti Sabatini

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