Eiskristalle

Draussen ist es eisigkalt. In ihrem Zimmer nicht viel wärmer. Noch schlimmer empfindet sie die Kälte in ihrem Herzen. Ihre Gefühllosigkeit lähmt sie, macht sie handlungsunfähig. Steif wie die kahlen, von Schnee und Eis erstarrten Bäume steht sie am Fenster, versucht durch die gefrorenen Scheiben etwas vom blauen Himmel zu erhaschen. Es will ihr nicht gelingen: Tränen verschleiern ihren Blick. Erst als die Sonne hinter den Bergen hervorlugt und die nächtlichen Eiskristalle zum Glänzen und später zum Schmelzen bringt, erst dann kann sie sich vom Vergangenen lösen. Sie kniet vor den Ofen und entzündet ein Feuer.

Ⓒ Verena Kaiser

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