Flucht aus der Güetzibüchse
Auf dem Bummel über den Weihnachtsmarkt kauft sie sich eine wunderschöne, nostalgische Blechdose. Noch am gleichen Abend eröffnet sie ihre Weihnachtsguetzli-Backstube mit den Mailänderli. Bald duftet es himmlisch aus der Küche. Randvoll füllt sie die Dose mit den Leckereien.
Sorgfältig aufeinander geschichtet liegen sie da: Engel, Tännchen, Herzen. Auch ein paar Samichläusli sind dabei. Auf einmal beginnt einer der Engel zu sprechen:
„Du meine Güte, ist das eng hier drinnen. Man sieht nichts in dieser Dunkelheit und Luft kriege ich auch keine. Könnte nicht jemand auf der obersten Lage den Deckel aufmachen ?“
„Bist du von allen guten Geistern verlassen?“ wehrt sich ein Weihnachtsmann.
„Dann werden wir weich und unappetitlich.“
Zustimmendes Gemurmel ist in der Büchse zu vernehmen.
„Ich will gar nicht aufgegessen werden,“ widerspricht der Engel. „Bleibt ihr doch schön brav in dieser blöden Dose. Ich will raus !“
Er drängelt sich durch die Güetzi hindurch, hinterlässt da und dort zerbrochene Herzen und geknickte Tännchen.
„Halt !“ ruft erneut der Chlaus, „ du bleibst da ! Der Deckel bleibt zu, basta.“
„ Ihr dürft ja gerne bleiben, aber mich lasst bitte raus !“
„Also gut,“ gibt der Samichlaus nach und fragt: „Kannst du überhaupt
fliegen ?“
„Das lass’ mal meine Sorge sein,“ gibt der Engel schnippisch zurück.
Am nächsten Morgen wundert sich die Hausfrau: im Wohnzimmer liegt ein zerbrochener Guetzli-Engel am Boden...
© Betty Fontana