Geisterhäuschen

 

 Bauen die Thailänder ein Haus, stellen sie den Geistern, die das Grundstück bewohnen, ein eigenes, kleines Häuschen im Garten oder auf der Terrasse zur Verfügung. Solche Geisterhäuschen erinnern an schmucke Vogelhäuschen, können im Park einer Villa aber durchaus die Grösse eines Pavillons erreichen.

 

Um die Geister milde zu stimmen, werden die Häuschen auf Kopfhöhe oder darüber angebracht, mit Opfergaben bestückt und Räucherstäbchen angezündet.

 

Sawadeekap ist ein mürrischer, kleiner Geist. Tief gekränkt seit auf seinem Grundstück das Haus für diesen erbärmlichen Falang gebaut worden ist. Gewiss ein steinreicher Mann, der Inhaber dieser Swiss Law Agentur an der Thepprasitroad. Es ist recht, dass ihm die cleveren Thais das Vielfache des Preises, den sie von Einheimischen verlangt hätten, abgeluchst haben.

 

Dieser Schweizer Anwalt findet es also nicht nötig, Sawadeekap ein eigenes Häuschen zu errichten. Dafür würde er büssen.

 

Wie es sich für einen beleidigten Thaigeist gehört, legt er sich auf die Lauer und wartet. Zwicken wollte er den Ignoranten, nerven und hinausekeln.

 

Da rattert eine alte Honda in den Hof. Selbst Sawadeekap hat schon teurere Motorräder gesehen. War dieser Falang vielleicht doch kein reicher Snob?

 

Eine Thai hatte er jedenfalls erwartungsgemäss dabei. Srömsri schlüpft vor der Tür aus ihren Flipflops, erblickt den auf der Schwelle hockenden Sawadeekap sofort und kickt ihn mit einem lockeren Absatztrick hinaus. Auch ihr Begleiter lässt seine Slipper vor dem Eingang stehen: Der Bann des Geists ist gebrochen. Nur im Garten wird er noch Unheil anrichten. Keine Ananas wird er je reifen lassen. Sapperlot! (Sapperlot bedeutet auf Thailändisch Ananas.)

 

  

 

© Greth Stöckli

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