November

Warm angezogen holt der alte Mann im Schuppen hinter dem Haus seine Gartenwerkzeuge: einen grossen Henkelkorb und den Laubrechen. Es ist ein neblig trüber, kalter Novembertag. Gespenstisch ragen die kahlen Bäume in den Himmel, auf dem Boden das dürre Laub.

Mit langsamen Bewegungen recht er die Blätter zu Haufen zusammen. Trotz der Kälte wischt er sich ab und zu den Schweiss von der Stirne, legt eine Pause ein. Die grosse Villa mitten auf dem Grundstück wirkt kalt und abweisend. Kein Licht erhellt die Fenster.

Der alte Mann lebt allein hier. Eine Putzfrau schaut einmal in der Woche nach dem Rechten. Die behagliche Einrichtung lässt ahnen, dass dieses Haus einmal voller Leben war. Der Besitzer hält sich am liebsten in der Bibliothek auf. Wenn ein Feuer brennt im Kamin, die Scheiter Funken sprühen, dann ist es warm und gemütlich.

Der Mann ist müde, er friert und beendet seine Arbeit. Er gönnt sich eine Tasse heissen Tees, bevor er nochmals aus dem Haus geht. Jeden Abend macht er einen Besuch auf dem Friedhof, wo seine Frau begraben ist. Heute, genau vor fünf Jahren, ist sie verstorben. Damals trat die Einsamkeit in sein Leben.

Vor dem Grab hält er stumme Zwiesprache mit seiner geliebten Frau, Tränen in den Augen. Zu Ihrem Todestag legt er einen wunderschönen Strauss nieder. Barbarazweige, dunkelrote Rosen...Zeichen eines langen, gemeinsamen Wegstücks.

© Betty Fontana

 

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