Unser erstes Auto

Vater konnte sein erstes Auto 1948 durch einen Kunden günstig erwerben. Du, der grüne WANDERER, brachtest neues Leben in unsere Familie.

Wie ein weiteres Mitglied wurdest du bewundert, bestaunt. Jeden Samstag pflegte dich Vater mit Schaum und Lappen, polierte dich mit Liebe und Sorgfalt. Ich reinigte deine Sit­ze und den Boden, während Mutter die fünf weissen Mützen stärkte und bügelte. Wir Kin­der fanden die Sonntagsausflüge nur lustig im offenen Wagen – zum Leidwesen der Mutter, wir hätten uns ja erkälten können. Dein Dach führte oft zu heftigen Diskussionen.

Bei Berg – und Passfahrten tatest du mir leid. Während Vater fröhlich pfeifend dein Lenk­­rad um die Kurven steuerte, Mutter sich zu Tode ängstigte und wir Kinder fröhlich san­gen, kämpftest du mit letzten Kräften. Erst wenn dein Hilfeschrei in Form von Dampf aus der Mo­torhaube qualmte, hielt Vater an. Mutter rannte nach Wasser.

Erinnerst du dich noch an unsere Familienferien? Du bereit hinter dem Haus, alle Tü­ren weit geöffnet, um die Lücken seitlich und am Boden mit einzelnen Schuhen, Socken und Ko­n­fitürengläser zu füllen. Mutter und wir Kinder brachten das Gepäck. Erst wenn alles da war, begann Vater systematisch zu laden. Dein Kofferraumdeckel wurde aufgeklappt und fixiert. Bald türmten sich darauf Taschen, Schachteln, Gemüse und Japanerkörbe. Mit einer grünen Plache – wenigstens passte die Farbe zu dir – deckte er sein Kunstwerk zu, sicherte das ganze mit Seil und Haken. Wehe, wenn jetzt noch ein Gepäckstück gebracht wurde!

Wie beschämend, ja erniedrigend und strapaziös müssen doch diese Fahrten für dich gewesen sein. Du, das elegante Cabriolet mit einer Riesengepäckswarze am Rücken.

Auf dem Autofriedhof hast du deine ewige Ruhe gefunden. Unter dem Moos über deinen Kotflügeln verlieren sich die Erinnerungen.

© Susanne Kummer, Burgdorf

 

 

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