Der Hausgeist

Gelangweilt gähnt das gelbe Geschirrtuch an seinem Haken. Der Wasserkocher steht auf der Ablage und wartet. Vergebens. Nicht mal mehr Wasser wird hier gekocht, geschweige denn Geschirr gespült.

Nachdenklich schwebt der Hausgeist durch die staubigen Räume und landet in der Küche.
„Los, tut was!“

Sogleich beginnt der Wasserkocher laut und aufdringlich zu brummen. Der grosse Kochtopf hüpft auf den Herd, die Schranktürchen öffnen und schliessen sich, Schere und Löchersieb rennen in den Garten, holen frische Kräuter und alles was an Gemüse noch zu finden ist. Zwiebeln, Tomaten und Peperoni legen sich aufs Schneidebrett, wo sie das grosse Messer rasch zerstückelt. Der Reis rollt ins warme Olivenöl, Knoblauch und Gemüsestückchen folgen ihm in den Topf, die Weinflasche gibt sich einen Ruck und löscht das ganze ab. Fleischbrühe schüttet sich darüber, während die grosse Holzkelle rührt und rührt. Und schon köchelt auf dem Herd ein herrliches Risotto. Die Küchenfenster öffnen sich weit, die köstlichen Düfte strömen ins Freie.

Der Esstisch deckt sich ganz von selber, die französische Rotweinflasche öffnet sich und schenkt ein ohne ein einziges Tröpfchen zu verschütten. Die grosse Schüssel mit Gemüserisotto bittet zu Tisch.

Der Hausgeist prostet dem gelben Geschirrtuch zu und lässt es sich schmecken.

© Lotti Sabatini

 

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