Reise in der Güetzibüchse

Ein Zimmetstern aus den Freiburgeralpen, mit schneeweissem Zuckerguss kunstvoll bekleidet, reist nach Italien mit seiner Frau Schoggi-S von Cailler aus Broc. Sie wollen nach Mailand zum alljährlichen Fest der goldenen Mailänderli. Sie klettern in die Güetzibüchse, fahren los und erzählen sich dieses und jenes. In Bulle treffen sie zufällig einen Spitzbuben der unschlüssig auf und ab geht. "Hei Freund" rufen sie ihm zu, "auf was wartest du? Komm mit, in Mailand gibt es ein grosses Fest!" Der Spitzbub strahlt über sein ganzes Gesicht, sein verschmitzter roter Mund lacht fröhlich, seine feurigen Äuglein leuchten. Schwupps, hüpft er in die Büchse, die Reise geht weiter.

In Bern tritt ein Mandelbärli hinzu, in Baden zwei zackige Chräbeli die herrlich nach Anis duften. In Basel nimmt Herrr Brunsli mit Frau Läckerli ungefragt in der Büchse Platz. Ein recht arrogantes Paar!

Drinnen wird es nun langsam eng. Alle rutschen zusammen und bangen um ihren süssen Schmuck. Im Gedränge verfliegt die fröhliche Stimmung, die Atmosphäre wird gespannt. Mailand sei doch eine Schnapsidee, im Mozartjahr reise man nach Salzburg oder nach Wien! Kultur müsse man pflegen, die Vanillekipferln seien dort besonders zart und die Mozartkugeln einfach köstlich. Es bricht ein heftiger Streit aus, die Freiburger vertragen keine Kritik, sie finden ihr Ziel gut. Es wird geschubst, gestossen, geschimpft, gejammert, geschrieen, der Zimtstern verliert eine Spitze und Frau Schoggi-S bricht beinahe zusammen.

In diesem Moment kommt der Schaffner durch den Wagen, meldet das Gestürm sofort dem Lokführer. Kurz entschlossen ändert dieser die Fahrtrichtung. In die Berge. Nach Einsiedeln. Schliesslich ist es Advent und Zeit, die schönste und grösste Weihnachtskrippe der Welt zu besuchen.

In Einsiedeln wird die Güetzigesellschaft von einer Delegation Bänzen, Chläusen und würzigen Schafsböcken willkommen geheissen. Sie pilgern über den Weihnachtsmarkt, durch die mit Lichtern geschmückten Gassen, auf den grossen Platz zur Kirche, wo man ihnen die Tore weit öffnet. Der Streit hat sich gelegt. Die hübsche Güetzibüchse samt Inhalt wird dem Christkind als Geschenk dargebracht. Alle sind stolz und unsagbar froh. Andächtig klettern die Weihnachtsgüetzi heraus, reichen sich die Hände und singen

Frieden, Frieden, Frieden...

© Lotti Sabatini

 

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