Die Kälte klirrte. Sie kroch auf allen Vieren über die Strasse, vereiste die Kurve und überzog pedantisch jedes einzelne Ästchen mit Raureif. Hinter dem Wald legte sie sich gebieterisch auf den steilen, schneebedeckten Hang. Dem Dickeingepackten, der mit seinem Schlitten im Schlepptau bergan stapfte und der bei jedem zweiten Schritt wieder einen zurück rutschte, konnte sie nichts anhaben. Vergeblich versuchte sie, in dessen Winterstiefel zu dringen, kleine Schweissfüsse liessen sie aussen vor. Mit eisigen Tentakeln betastete sie die Wollmütze, fand aber partout kein Schlupfloch. Trotzig rötete sie wenigstens die Wangen des Knopfs, der sich nicht scherte um eine Kälte, welche die totale Regentschaft zu übernehmen gedachte. Erst auf der rasanten Talfahrt packte sie ihre letzte Chance beim Schopf: Der Fahrtwind riss ihrem ahnungslosen Opfer die Pudelmütze vom Kopf und die klirrende Kälte klammerte sich erbarmungslos an zwei leicht abstehende Ohren. © Greth Stöckli SuhrDie Kälte